Alexander Schwab Landesgeschäftsführer der Vereinigung freischaffender Architekten Deutschland - Landesgruppe Bayern

Kammerwahl 2016 – Arbeitsgruppe zum Thema Flüchtlinge

Redaktion Archiv

Flüchtlinge – was tun? Der Aufruf aus der Politik ist eindeutig. „Was Sie als Architekten wirklich beitragen können, sind weniger Kleiderspenden, Essensausgaben oder Arbeitszeitkonten. Was wir brauchen, sind Ausbildungsplätze für die vielen jungen Leute, die zu uns kommen. Stellen Sie Lehrstellen für Bauzeichner zur Verfügung!“ so Ministerialdirigent Eugen Turi, Leiter der Abteilung Integration und Migration, Vertriebene, Europapolitik des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration am 14.10.2015 bei der zahlreich besuchten Veranstaltung der Bayerischen Architektenkammer mit dem Titel: „Neue Heimat – Konzepte für die Unterbringung von Flüchtlingen“.

Das Thema ist nun endgültig auch bei den Architekten angekommen. Sei es bei der ExpoReal in München auf dem Stand der Bundesarchitektenkammer am 6.10.2015, sei es auf der Bundeskammerversammlung aller Länderarchitektenkammern am 11.10.2015 in Hannover oder dem am 12.10.2015 dort stattgefundenen Deutschen Architektentag. Und immer spürte man die uneingeschränkte Unterstützung durch das Bundesministerium für Umwelt und Bauen (BMUB).

Die Bayerischen Architektenkammer (ByAK) hat bereits in ihrer Vorstandssitzung am 23.9.2015 die Einrichtung einer Ad-hoc Arbeitsgruppe zum Thema Flüchtlinge beschlossen. Ihre Aufgabe ist sowohl die Zusammenführung bürgerschaftlichen Engagements und von Ideen direkter Hilfe, als auch die Sammlung von Lösungsvorschläge baulicher Fragen sowie die Erarbeitung von Stellungnahmen zu Änderungen des Bauplanungsrechts und des materiellen Baurechts, wie es zur Zeit im BMUB diskutiert wird.

Damit reagiert die ByAK einerseits auf Initiativen bayerischer Architektinnen und Architekten und nimmt andererseits die gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahr, die die Freien Berufe insgesamt, die Architekten aber im Besonderen tragen.

Auch auf Bundesebene werden die Kräfte gebündelt. Unter Federführung der Nordrhein-Westfälischen Architektenkammer wird Ende Oktober eine Projektgruppe zu dem Thema Flüchtlinge und Zuwanderung ihre Arbeit aufnehmen.

Was tun? Was können die Architekten auf der Basis ihrer Ausbildung und Erfahrung Besonderes zur Bewältigung des ungeheuren Zustroms verzweifelter Menschen nach Deutschland tun? Auch Dank der HOAI gibt es in Deutschland eine starke, flächen-deckende Struktur lokal verankerter Büros in allen Größenordnungen, die genutzt werden sollte.

Wenden Sie sich an Ihre Bürgermeister und fragen Sie, wie Sie am besten helfen können. Oft geht es um die Zusammenführung von gemeindlichen Grundstücken und Investoren. Mittelfristig geht es um die Schaffung preiswerten Wohnraums für alle. Und auf lange Sicht müssen wir dafür sorgen, dass aus dem Druck der aktuellen Situation nicht städtebauliche Fehler gemacht werden, die die nächste Generation ertragen oder korrigieren muss.

Und noch einmal, auch wenn es in den meisten Büros keine Bauzeichner mehr gibt: Lassen Sie sich darauf ein und schaffen Sie für einen jungen Flüchtling eine Lehrstelle in Ihrem Büro. Vor allem damit können Sie ganz konkret und nachhaltig helfen.

 

Alexander Schwab
Vizepräsident der VfA und
Geschäftsführer der VfA Landesgruppe Bayern