Heinz A. Musil

Zeitzeuge Heinz A. Musil zur Geschichte der Bayerischen Architektenkammer

Redaktion Archiv

Dipl.-Ing. Heinz A. Musil ist der Architekt des Central Towers an der Donnersberger Brücke in München.

Als „Gründungsmitglied“ wirkte er in den ersten beiden Legislaturperioden der Bayerischen Architektenkammer – ByAK – als 1. und 2. Vorsitzender des Wettbewerbsauschusses Oberbayern und als Mitglied des Landeswettbewebsausschusses mit und half das Wettbewerbswesen unter der Leitung der ByAK aufzubauen.

Er berichtet von den Erfolgen während seiner Amtszeit und wie sich die Entwicklung des Wettbewerbswesens in Bezirk Oberbayern und in den anderen Bezirken im Land Bayern gestaltete.

Sie bezeichnen sich als „Gründungsmitglied“ der ByAK, was bedeutet das?

Vor der Gründung der ByAK mussten alle diejenigen, welche die Berufsbezeichnung „Architekt“ führen wollten, in einer „Architektenliste“ der Regierung von Oberbayern unter Vorlage eines Befähigungsnachweises eingetragen sein. Alle Architekten, die in dieser Liste eingetragen waren, konnten damit Mitglied in der Bayerischen Architktenkammer werden und waren zur Zeit der Kammergründung somit Gründungsmitglieder. Das traf auch auf mich zu. Ich trage noch heute meinen „Architektenausweis“ der Regierung von Oberbayern mit Stolz in meiner Brieftasche.

Wie gestaltete sich die Gründung der Wettbewerbsausschüsse der ByAK?

Die Einsetzung der ersten Wettbewerbsausschüsse der ByAK fand im Jahr 1973 statt, obwohl die Kammer bereits im Jahr1970 gegründet wurde. Der Grund dafür war , dass die Betreuung des Wettbewerbswesens vor der Kammergründung landesweit allein in der Hand des BDA – Bund Deutscher Architekten – lag. Als ältester Berufsverband der freischaffenden Architekten sah die Öffentliche Hand als Auslober von Wettbewerben den BDA als kompetent an, das Wettbwerbswesen zu betreuen.

Nach Gründung der ByAK gab es sofort Bestrebungen der anderen, in der Kammer vertretenen Verbände und Gruppierungen, auch die Betreuung des Wettbewerbswesens in die Verantwortung der ByAK, als Körperschaft des öffentlichen Rechts, zu übertragen. Der BDA streubte sich lange dagegen, deshalb konnte erst nach langen und heftigen Diskussionen zwischen dem BDA und den anderen Gruppierungen und nach dem Einschreiten des Innenministeriums als Aufsichtsbehörde die Kammer letztlich 1973 das Wettbewerbswesen übernehmen. Infolge dieses „Besitzwahrungs-Gerangels“ hat sich bei der Zuammensetzung der Wettbewerbsausschüsse und der Wahl der Vorsitzenden der einzelnen Ausschüsse eine starke Opposition fast aller Verbände gegen den BDA gebildet, was zur Folge hatte, dass der BDA in der ersten und auch zweiten Wahlperiode der Ausschüsse, 1973 und 1975, keine Vorsitzenden für die Ausschüsse stellen konnte.

Dies betraf vor allem den Wettbwerbsausschüsse für Oberbayern und Nürnberg-Franken und den Landeswettbewerbsausschuss.

Die „Wettbewerbsausschüsse“ sind nach der Satzung der ByAK keine Ausschüsse, sondern Arbeitsgruppen des Vorstandes. Für die Besetzung dieser Arbeitsgruppen wurden von den Verbänden und Gruppierungen Kollegen benannt, die entsprechende Qualifikationen für die Ausübung dieses Amtes erfüllen mussten, und zwar mussten von den Benannten Wettbewerbserfolge in den letzten drei Jahren nachgewiesen werden.

Von den Kollegen des Wettbewerbsausschusses Oberbayern wurde ich zum 1. Vorsitzenden gewählt, der Kollege Weber, Kreisbaumeister des Landkreises München zum 2. Vorsitzenden. Im Landeswettbewerbsausschuss wurde Kollege Wagner aus Nürnberg 1. Vorsitzender, Kollege Otto von Kotzebue vom Arbeitskreis 2. Vorsitzender.

Mein Amt habe ich so erfolgreich ausgeführt, dass man mich, auch mit den Stimmen des BDA, 1975 wieder zum 1. Vorsitzenden wählen wollte, was aber nach der Satzung nicht möglich war. So wurde ich 2. Vorsitzender mit der Befugnis, den Ausschuss zusammen mit dem 1. Vorstzinden ein weiteres Mal zu führen.

Was geschah während Ihrer Amtszeit als Vorsitzender?

In meiner ersten Wahlperiode als 1. Vorsitzender des Wettbewerbsausschusses Oberbayern konnte ich, mit Unterstützung des Präsidenten Ernst Maria Lang und des Vorstandes der ByAK, den Bauherrn, die Flughafen München GmbH, dafür gewinnen, einen großen Wettbewerb für den neuen Münchner Flughafen auszuloben. Die Direktvergabe des Planungsauftrages an die Architekten von Gerkan und Marg war so gut wie bechlossen. Wir, die ByAK, konnten jedoch den Bauherrn von den Vorteilen eines landesweit offenen Wettbewerbes überzeugen.

Der erste Preis wurde dann auch in der zweiten Runde dem Münchner Architekten Hans Busso von Busse zugesprochen. Die Anlage hat als Flughafen München Franz-Josef-Strauss internationeles Lob und Anerkennung gefunden.

Auch für das Betriebsgelände Nord des neuen Flughafens wurde ein großer stäsdtebaulicher Wettbewerb ausgelobt, den ein Münchner Architekturbüro gewann.

In der ersten Zeit des Aufbaues wurden insbesonders die strukturellen Grundlagen des Wettbewerbswesens gelegt: Alle Wettbewerbsausschüsse der einzelnen Regionen Bayerns wurden installiert, die Auslobungsberatung durch die Mitglieder wurde organisiert und die Unterlagen für die Auslobungsberater mussten erarbeitet werden. Eine Broschüre für öffentliche Auslober wurde gedruckt und verteilt. Im Landeswettbewerbsausschuss wurde über die neue GRW – Grundlage und Richtlinien für Wettbewerbe beraten und beschlossen.

Die intensive ehrenamtliche Arbeit aller Mitglieder der neuen Wettbewrbsauschüsse hat nicht zuletzt auch dazu geführt, dass trotz der konjunkturell schlechten Zeit 1975 – 1977 die Auslobungen von Wettbewerben landesweit erheblich zugenommen haben.

Können Sie sich erinnern, wie sich die Zusammenarbeit unter den Verbänden zur Gründung der Bayerischen Architektenkammer gestaltete?

Davon kann ich nur vom hörensagen, also aus zweiter Hand berichten. Dahmen von Buchholz, zu der Zeit Präsident des Berufsverbandes freischaffender Architekten und Bauingenieure – BAB – teilte den Mitgliedern des BAB, zu denen ich gehörte mit, wie sich die Vorarbeiten zur Gründung der Kammner gestalteten: Dazu bildete sich, bestehend aus Vertretern der bestehenden Verbände und Berufsvertretungen von freischaffend, angestellt und gewerblich tätigen Architekten,

eine Gründungskommision. Die Sprecher waren Ernst Maria lang für den BDA, Erwin Schleich für die VFA, Dahmen von Buchholz für den BAB, Rudolf Miller für den BDB, der Kollege Feicht von der Neuen Heimat Bayern für die angestellten Architekten und der Kollege Megele von der Obersten Baubehörde für die beamteten Architekten.

Das grosse Diskussionsthema war die Frage: Wird es eine kleine Kammer nur bestehend aus freischaffenden Architekten oder eine große Kammer für alle Architekten. Die Entscheidung fiel zugunsten der großen Kammer, auch deshalb , weil die zukünftige Aufsichtsbehörde, das Innenministerium, für die große Kammer plädierte. Die Entscheidung war zukunftsweisend wie sich heute herausstellt. Die Bayerische Architektenkammer ist heute die optimal aufgestellte Berufsvertretung geworden, dank ihrer vielen Mitglieder und ihrer gut organisierten Verwaltung , wie sie sich ihre Gründerväter nicht besser und erfolgreicher wünschen konnten.

 

Dipl.-Ing. Heinz A. Musil
Rheinlandstrasse 1
80805 München

 

Das Interview führte Carla Stadler (querplan GmbH)